Die Coworking-Szene in Deutschland sollte sich noch stärker als bisher vernetzen, denn wir alle müssen mehr voneinander lernen, wenn wir bestehen wollen.


Beim Coworking geht es auch über das Teilen des Wissens innerhalb einer Community. Zuhören ist eine wesentliche Grundlage davon. Nach Prof. Lyman K. Steil hängt das Gelingen einer erfolgreichen Kommunikation zu 51 Prozent vom Zuhörer ab. Allerdings nur, wenn Zuhören nicht mit der rein akustischen Aufnahme des Gesagten gleichgesetzt wird, sondern auch inhaltlich erfasst wird, was gesagt wurde. Zuzuhören ist so wichtig wie Sprechen.

Mein Interesse an dem Thema Coworking wuchs vor allem nach den Gesprächen mit den Gründern, den Community Managern und auch den Mitgliedern von Coworking Spaces in ganz Europa, die ich auf einer Reise im Sommer 2015 kennenlernte. Meine heutige Frau und ich haben damals rund 30 Coworking Spaces in 18 verschiedenen Städten besucht. Dass was ich hörte, beeindruckte mich so sehr, dass ich mich fortan dem Thema ganz widmete.

Wer nicht fragt, bleibt dumm!

Das wichtigste an der Reise war aber, sich auf den Weg gemacht und anderen Menschen zugehört zu haben. Mir ist bewusst, dass nicht jeder mit seinem Partner für zwei Monate durch Europa reisen kann. Aber ein Problem dadurch zu lösen, dass man andere, die damit ebenfalls vertraut sind, besucht und nach einem Rat fragt, passiert dennoch zu selten. Dabei ist gerade unsere Community, nach meinen persönlichen Eindrücken, sehr gastfreundlich.

Ein Blog zu führen, weil mich seit gast zwei Jahr andere an Coworking interessierende Menschen im St. Oberholz besuchen, aber dann im vorangegangen Absatz zu behaupten, dass dies viel zu selten passiert, ist kein Widerspruch. Diese Menschen sind die (glückliche) Ausnahme. Meistens sind aber nicht einmal die Coworking Spaces einer Stadt untereinander vernetzt. Wirtschaftlicher Druck lässt Spaces oft in Insel- und Konkurrenzdenken verfallen.

Anstatt sich aber gegeneinander abzuschotten, vor allem wenn es Probleme gibt, müssen wir uns mehr miteinander austauschen. Sprechen und Zuhören im gleichen Maße. Ähnlich wie beim Mentoring sollten wir fachliches Wissen und Erfahrungswissen mit den anderen teilen. Wer Fragen hat, sollte diese stellen. Bereits durch das Zuhören können beide Seiten etwas voneinander lernen. Zuhören ist ein ebenso aktiver Prozess ist wie der des Sprechens.

Coworking Spaces sind Treffpunkte

Tobias Kremkau, © 2017

Tobias Kremkau, © 2017

Der erste Schritt ist sogar leichter als gedacht, denn dieser ist schon für sich sehr hilfreich: Besucht mindestens einmal im Monat ein anderes Coworking Space. Jeder von uns hat Aufgaben, die Konzentration brauchen, aber in unseren eigenen Coworking Spaces gibt es für einen immer etwas zu tun. Deshalb sollten wir unsere eigenen Coworking Spaces regelmäßig auch verlassen und als Coworker in ein anderes Coworking Space gehen.

Diese Besuche sind beispielsweise dann für langfristige Planungen da, für die man sich konzentrieren muss. Und man kann die Gelegenheit nutzen, mit anderen Community Managern und Gründern von Coworking Spaces zu sprechen. Aber der eigene Mentor muss nicht unbedingt selbst ein Coworking Space betreiben. Für Fragen zur Personalführung oder der Buchhaltung reicht auch schon das Gespräch mit anderen Unternehmer*innen.

Bekannte von mir gehen regelmäßig mit anderen Menschen essen, um sich mit ihnen auszutauschen. „Meet & Eat Networking“ nennt sich das. Perfekt für Coworking Spaces mit eigener Gastronomie. Ich selber besuche einmal im Monat ein anderes Coworking Space in Berlin. Und auf Reisen nutze ich auch stets die Gelegenheit, ein Coworking Space an einem anderen Ort zu besuchen. Dies hilft einem auch, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.


tl;dr: Besucht am besten einmal im Monat ein anderes Coworking Space in eurer Stadt bzw. besucht mindestens ein Coworking Space, wenn ihr auf Reisen seid. Es lohnt sich!

Image by Katharina-Franziska Kremkau, CC BY 4.0